Das Geheimnis des Hundeflüsterns

Geschichten vormittelalterlichen Ursprungs erzählen von Helden, Königen und Anführern, die ihre geliebten Hunde in Bronze gegossen, in Öl gemalt oder in Stein gemeißelt haben.

Mensch-Hund-Partnerschaften sind heutzutage oft voller Missverständnisse geprägt, so dass man sich die Frage stellen muss :


was ist das Geheimnis des Hundeflüsterns ? Ein Geheimnis ist das Hundeflüstern nicht, Hundeflüstern kann man lernen !

Ein für beide Seiten stressfreier Umgang miteinander, mit dem Ziel einer natürlichen und harmonischen Partnerschaft zwischen Mensch und Hund beruht auf gegenseitigem Vertrauen.

Dem Menschen kommt hierbei eine besondere Verantwortung zu.

Das klingt selbstverständlicher, als es ist, denn nicht allzu selten sind Äußerungen zu vernehmen wie "Der Hund ist stur wie ein Esel" oder "Er versteht mich einfach nicht". Schwerwiegender wird es, wenn sich Unverständnis in Form von Aggressionen und Wutausbrüchen gegen Hunde richtet oder es zu Verletzungen auf einer oder beiden Seiten kommt.
Alldem liegt der Tenor zugrunde: "Der Hund ist schuld".

Hunde leben nach den Gesetzen der Natur. Sie folgen ihrer Ideologie, ihren Wertevorstellungen und ihrem Verständnis von Leben, Hierarchie und sozialer Kompetenz.

Hunde denken anders als Menschen und sprechen ihre eigene Sprache. Es ist also die Aufgabe des Menschen, sich in die Welt der Hunde hineinzuversetzen, um ein gemeinsames Verständnis zu erlangen.

Diese Sichtweise ist es, die das "Hundeflüstern" auszeichnet. Man nimmt die Perspektive des Hundes ein, man denkt wie ein Hund und versteht den Standpunkt des Hundes.

"Hundeflüstern" heißt, eine besondere Beziehung zu Hunden aufzubauen, basierend auf Liebe, Einfühlungsvermögen und Führungsqualität.

Wie sieht denn nun die Welt aus der Perspektive eines Hundes aus ?

Versetze Dich in die Lage eines Hundes.

Du bist ein Raubtier, ein Beutegreifer. Du kommst nicht mit einem genetischen Programm auf die Welt, das Dir sagt, was Sitz, Platz, Bleib usw. bedeutet. Dein ganzes Leben wird von angeborenen Wesenszügen und Verhaltensweisen, von Instinkten geprägt.

Deine vier wichtigsten Instinkte sind :

Sexualinstinkt, Sozialer Rudelinstinkt, Territorialinstinkt, Jagdinstinkt.

Dein wichtigster Sinn ist der Geruchssinn. Mit Deiner Nase nimmst Du jede Fährte auf, die Dich zu einer Beute hinführt.
Deinem scharfen Gehörsinn entgeht kein Knistern oder unbekanntes Geräusch.
Um erfolgreich jagen und sicher überleben zu können, lebst Du in einem Rudel.

Du folgst vertrauensvoll dem Alphapaar Deines Rudels, denn sie verkörpern alles, was charismatische Leader auszeichnet: endlose Geduld, Bestimmtheit, weniger Aggressivität, Beharrlichkeit, emotionale Stabilität, Klarheit, Besonnenheit, Gerechtigkeit und Verlässlichkeit - sie tragen die Verantwortung für Entscheidungen und Anweisungen.

Diese Geschichte vermittelt schon einen kleinen Eindruck von dem, was Hunde bewegt.

Dabei ist kaum verwunderlich, dass ein Hund zunächst der Begegnung mit Menschen skeptisch gegenübersteht und sich lieber auf seinen eigenen Instinkt oder die Signale seiner Artgenossen verlässt.

Hunde führen eine Art Punktekonto, nicht nur gegenüber Menschen, sondern auch untereinander.
Jeder Pluspunkt ihres Gegenübers bedeutet ein Stückchen mehr Vertrauen und ein Stückchen mehr Respekt. Ein sehr sensibles Konto, das schnell ins Wanken geraten kann.

Vertrauen und Respekt sind zentrale Themen einer Mensch-Hund-Partnerschaft. Sie stehen in direkter Wechselwirkung zueinander. Respektlosigkeit stellt keine Grundlage für Vertrauen dar. Umgekehrt wird sich kein Respekt ohne eine Vertrauensbasis einstellen.

Also lautet die Aufgabe, Vertrauen und Respekt zwischen dem Menschen und dem Hund zu entwickeln und zu erhalten.
Zur Lösung dieser Aufgabe tragen Wissen, die richtige Einstellung und emotionale Fitness wesentlich bei.

Was bedeutet "richtige Einstellung" ?

Die Einstellung, die im Umgang mit Hunden funktioniert, ist positiv, natürlich und fortschrittlich. Wenn auch nicht immer alles reibungslos funktioniert, erwartet sie grundsätzlich positive Endergebnisse. Sie respektiert die Natur des Hundes und beinhaltet die Bereitschaft zu persönlicher Veränderung, getreu dem Sprichwort: "Damit sich Dinge ändern, muss zuerst ich mich verändern".

Die Grundlage für Veränderung ist das Einnehmen einer neuen Sichtweise. Die Aneignung neuen Wissens ist hierzu unerlässlich. Ebenso wichtig ist die Entwicklung eines tiefen Verständnisses für die Gedankengänge, Lebensphilosophie, Kommunikationsweisen und die Psychologie der Hunde. Unterstützt von artgerechten Kommunikationstechniken und Hilfsmitteln wird dieses Wissen auf natürliche Weise in die Mensch-Hund-Partnerschaft eingebracht.

Durch die Kombination aus richtiger Einstellung, Einfühlungsvermögen, Geduld, Kreativität und umfangreichem Wissen nähert man sich mehr und mehr dem "Selbst-Hund-Sein". Auf diese Weise entsteht eine faszinierende Beziehung zwischen Mensch und Hund aufgrund von Vertrauen und Respekt.

Das Ganze ist ein Prozess, der Lernbereitschaft, Selbstreflexion und Zeit braucht.
Getreu dem Motto: "Der Weg ist das Ziel" führt es zur Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit verbunden mit neuen Herausforderungen auf mentaler, emotionaler und physischer Ebene.

Das Ergebnis ist schön, aufregend und spannend.

Es ist ein Leben im Hier und Jetzt und öffnet die Türen zur Intuition und Kreativität !

Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was Du Dir vertraut gemacht hast.

Antoine de Saint-Exypery

© dogisch (Joana Brenndörfer)